Dienstag, 5. August 2014

Das Leben als Au Pair in North Shore / Auckland

Nach ca. 2,5 Monaten Reisen auf der Suedinsel Neuseelands musste ich mich dann doch mal nach einem Job umschauen. Schliesslich mache ich ein "working holiday" und Neuseeland ist recht teuer. Mitten in den Wintermonaten dachte ich, sei am besten zu verkraften, weshalb ich dann Ende Mai als Au Pair in Point Chevalier / Auckland angefangen habe zu arbeiten. Dort habe ich auf vier liebe kids aufgepasst und fuer den Haushalt gesorgt. Anfangs ist es mir ziemlich schwer gefallen, vom sorgenfreien Backpackerleben, wo immer etwas spannendes jeden Tag auf einen wartet, wieder 100% in den Arbeitsalltag einzusteigen und Erwartungen und Verpflichtungen nachzukommen. Ich habe in der Familie allerdings nur als Uebergang gearbeitet, was sich manchmal etwas schwierig herausstellte. Sobald ich nach ein paar Wochen im Alltag angekommen war und auch die kids besser kennengelernt habe, musste ich die Familie schon wieder verlassen.
Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich doch lieber einem typischen Bachpackerjob z.B. auf einer Farm oder Aehnliches nachgehen moechte oder nach einer neuen Familie Ausschau halte und weitere Monate als Au Pair arbeite. Die guenstigste und wahrscheinlich fuer mich auch einfachste Entscheidung war dann, dass ich weiterhin als Au Pair arbeite. So habe ich dann meine zweite Familie in Glenfield (North shore auch Auckland) kennengelernt.
Hier kuemmer ich mich um drei wundervolle lebensfrohe kids (Max 5,Petra 7, Ella 9). Alle drei sind voll mit Energie geladen :) Mein Einstieg war in den Winterferien, also konnte ich erstmal was Zeit mit den kids verbringen bevor der richtige Alltag anfing. Mittlerweile bin ich hier gut angekommen und habe mich eingelebt. Mit den Eltern verstehe ich mich auch bestens, wir sitzen meistens abends noch zusammen bei einem Weinchen, kochen etwas gemeinsam und schauen unsere lieblings Sendung "My kitchen Rules" an. Dienstag abends gehe ich ab und zu zur Kaffeegruppe von den Au Pairs, die hier in der Naehe leben. Dort konnte ich einige gute Kontakte knuepfen und wir sind ab und zu mal am Wochenende zusammen. Ein anderes Au Pair (Erin aus den Staaten, Colorado) arbeitet fuer eine Familie, deren Toechter gut mit meinen kids befreundet sind. Also unternehmen wir gemeinsam ab und zu was und ich bin super gluecklich, dass wir uns so gut verstehen :) Anfangs ists mir doch was schwer gefallen, da ich nicht in das typische Au pair-Muster hineinpasse und mich oft falsch am Platz gefuehlt habe. Die meisten entscheiden sich fuer ein Au pair-Jahr, direkt nach dem Schulabschluss, weshalb dann die Interessen doch etwas unterschiedlich sind. Mit Erin habe ich dann die letzten Tage und Wochenenden mal was unternommen, um mal wieder ein wenig Neuseeland nach meinem Geschmack zu entdecken :) Wir waren in Devenport, sind auf ein paar Vulkanhuegel gelaufen,um die schoene Aussicht auf Aucklands skyline und den Inseln im Huarakigulf zu geniessen. Gehen zusammen auf den nightmarket in Glenfield, wo sich eine Fressbude neben der naechsten draengt und leckeres Essen aus aller Welt (vor allem asiatische Kueche) anbieten.
Erin und ich waren einen Sonntag Nachmittag zusammen Segeln. Durch Zufall hat Laura in einem Hostel hier in Auckland einen Aushang von Roger gesehen, der privat Segelausfluege mit Backpackern fuer seeeeehr guenstiges bis gar kein Geld anbietet. Also dachte ich, da muss ich zuschlagen. Der Tagesausflug war wunderbar und hat super viel Spass gemacht. Morgens frueh haben wir uns mit Roger (ca. 80 Jahre alt) am Segelclub getroffen und sind zu fuenft raus aufs Meer. Wir hatten noch Leo dabei, der sich mit Segeln was auskennt und Roger gut unterstuetzen konnte. Wir waren den gesamten Tag draussen und hatten super Glueck mit dem Wetter. Hier kann es schon mal sein, dass man alle vier Jahreszeiten an einem Tag erlebt. So ist das, wenn man auf einer Insel mitten im Pazifik lebt. Am Ende der wunderschoenen Segeltour wollte Roger gar kein Geld von uns nehmen. Nachdem wir die kids gestern zur Schule gebracht haben, sind Erin und ich am naheliegenden Strand von Milford an der Kueste bei Ebbe zum naechsten Ort Takapuna gelaufen. Hier kann man einen herrlichen Ausblick auf Rangitot geniessen. Dabei haben wir eine grosse Gruppe von Delphienen aus dem Meer springen sehen koennen. Das war eins der Momente, die man nicht mal eben mit der Kamera einfangen kann, sondern einfach im Gedaechtnis einbrennt. Wir hatten super viel Glueck und waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort :)



unsere Segelgruppe (Erin sitzt links neben mir)

ich durfte auch mal steuern :)

das macht richtigen Spass
Letztes Wochenende hat mich dann die Gastfamilie von Erin mit nach Russell, zur Bay of Islands weiter im Norden der Nordinsel mitgenommen. Dort lebt die Grandma auf einem riesigen 60h grossen Grundstueck, mit einer kleinen Ferienanlage, einem eigenen Strand, 6 Kuehen, 2 Pferden und einem Labrador. Paula (Erins Gastmutter) schaut deshalb immer mal wieder nach dem Rechten und hilft etwas aus. Wir sind Freitagabend in Russell angekommen. da war es schon dunkel und wir konnten nur erahnen welch eine schoene Natur uns hier umgibt. Wir hatten ein kleines Hauschen fuer uns zwei ganz alleine, mit Ausblick aufs Meer. Wir sind recht frueh zu Bett. Es war schoen mal wieder mit dem Zirpen der Grillen und dem Toben der Wellen einschlafen zu koennen. Morgens frueh haben wir direkt einen Ausblick nach Draussen gewagt und waren von der Groesse und schoenheit des Grundstuecks total erschlagen. Es gibt mehrere kleine Gasthauschen direkt mit Blick auf die schoene Bay of Islands und eigenem Strand. Spaeter hatten wir Zeit, um Russell zu erkunden. Dort gibt es einen beruehmten Fahnenmast, an dem die erste Flagge Neuseelands nach der Niederlassung der Englaender hing. Hier in der bay of Islands begann die Geschichte Neuseelands (die ca. 174 Jahre umfasst). Neuseeland ist ein recht junges Land, wenn man die Vereinigung der Englaender mit den MaoriStaemmen als Ausgangspunkt nimmt. 1840 wurde hier in der Bay of Islands (Waitiangi) der Vertrag zwischen den Englaendern und den Ureinwohnern (also den maori Staemmen) unterschrieben. Erin und ich wollten uns etwas mehr ueber die Geschichte erkunden und sind dann mit der Faehre von Russell rueber nach Paihia gefahren. In Waitiangi (Ort neben Paihia) begann dann die neuseelaendische Geschichte (Februar 1840). Am sogenannten treaty ground kamen vor 174 Jahren mehrere Hauptlinge der Maori Staemme mit den englischen Siedlern zusammen, um eine Unabhaengigkeitserklaerung von Neuseeland zu unterzeichnen. Dieser Vertrag wurde damals auf Maori und auf Englisch vereinbart und sollte die politische Gemeinschaft und die Besitztuemer der beiden Kulturen regeln. Zum Beispiel wurden den Maoris Schutz seitens der Englaender vor anderen Siedlern versprochen. Spaeter (5 Jahre spaeter) kam es dann zu Unruhen seitens mancher maori Hauptlingen, die sich zu unrecht behandelt fuehlten. Deswegen schoss einer der Hauptlinge auf die Fahne und auf Kirchen, was dann zum Neuseelandkrieg fuehrte. Seit dem leben zwei verschiedene Kulturen (Maori und Europaer) hier in Neuseeland zusammen. Deswegen gibt es zwei Amtssprachen und die Kinder lernen Maori in den Schulen. Allerdings sieht man immer wieder, wie die unterschiedliche Lebensweise der beiden Kulturen sich trennen und es deswegen noch viele Vorurteile gibt.
der Fahnenmast, wo die erste neuseelaendische Fahne beschossen wurde

Russell, spaeter wurden hier die meisten Straeflinge hingebracht



Kuribaum, aus dem das riesige (fuer ca 150 Maenner) Kanu "Waka" gbeaut wurde,um die Englaender anzugreifen

der treaty ground


in der Kirche in Russell sieht man noch die Einschussloecher

eine Public Toilet nach Hundertwasserstil

Glenfield nightmarket


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